
Grußwort Dr. Bauersachs

Kameradinnen und Kameraden,
verehrte Mitglieder der Gemeinschaft der Heeresflieger,
wenn wir auf das zurückliegende Halbjahr blicken, dann ist eines unübersehbar: Die Heeresfliegertruppe steht so stark im Umbruch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Übungen als Korpstruppe an der Ostflanke des Bündnisses, die weitere Ausprägung der Aviation Brigade, die Vorbereitung auf neue Luftfahrzeugmuster und eine sichtbare Präsenz in Öffentlichkeit und Gesellschaft – all das zeigt, dass Deutschland und seine Verbündeten ganz bewusst auch die Fähigkeiten der Heeresflieger im Fokus haben.
In dieser Lage erfüllt die Gemeinschaft der Heeresflieger (GdH) eine Aufgabe, die weder in Strukturbildern noch in Organisationsbefehlen erfassbar ist, aber dennoch unverzichtbar bleibt: Sie bewahrt Erinnerung, stiftet Identität und hält die Kameradschaft über Generationengrenzen hinweg lebendig. Ob bei regionalen Treffen, bei Besuchsprogrammen in den Verbänden, in Vortragsveranstaltungen oder im leisen, oft unsichtbaren Kümmern um Kameraden in schwierigen Lebenslagen – überall dort gibt die GdH der Truppe ein Gesicht, das über den Dienstgrad hinausreicht.
Vor diesem Hintergrund übernehme ich die Präsidentschaft des Dachverbandes der GdH mit Dankbarkeit und Respekt vor der Aufgabe. Mein besonderer Dank gilt meinem Vorgänger im Amt, Herrn Brigadegeneral a.D. Uwe Klein, und allen, die in den vergangenen Jahren die Geschicke der GdH mit kluger Hand, klarem Kompass und viel persönlichem Einsatz gelenkt haben. Sie haben ein Selbstverständnis geschaffen, an dem ich anknüpfen möchte: Eine gewachsene Vertrauenskultur, ein starkes Netzwerk und das Bewusstsein, dass Kameradschaft keine nostalgische Floskel, sondern gelebte Verantwortung ist.
Die Präsidentschaft ist kein Ehrentitel, sie ist ein Auftrag. Ein Auftrag, die Heeresfliegerfamilie zusammenzuhalten – von den Rekrutinnen und Rekruten bis zu den Veteranen, von den zivilen Angehörigen bis zu den Unterstützern und Freunden unserer Truppengattung. Unsere Gemeinschaft bietet eine Heimat und sorgt dafür, dass niemand, der einmal unter dem Rotor unserer Hubschrauber gedient und sich für die GdH entschieden hat, aus unserem Blickfeld verschwindet.
Ein Kernanliegen wird die bewusste Pflege der Kameradschaft bleiben. Sie beginnt beim ehrlichen Interesse füreinander und endet nicht beim letzten Dienstgrad. Kameradschaft heißt, den jungen Soldatinnen und Soldaten in ihrer ersten Verwendungsreihe genauso ernst zu nehmen wie den Pensionär, der nach mehreren Jahren in die Liegenschaft zurückkehrt und feststellt: Die Truppe hat sich verändert – aber sie ist immer noch seine. Sie heißt, diejenigen nicht zu vergessen, die krank, belastet oder in ihrer Lebensführung ins Straucheln geraten sind. Und sie heißt auch, den Familien den Platz zu geben, der ihnen zusteht - als Rückgrat unserer Soldatinnen und Soldaten, nicht als Randbemerkung.
Die zweite große Säule ist die Aufarbeitung aktueller Themen. Wir erleben eine Bundeswehr im Umbruch – getrieben von einer veränderten Sicherheitslage, von den Anforderungen einer sich zuspitzenden sicherheitspolitischen Situation und vom Spagat zwischen neuen strukturellen Veränderungen und bewährten Grundsätzen. Fragen nach Einsatzbereitschaft und Materiallage, nach Sinn und Zumutbarkeit immer dichterer Übungsszenarien, nach Nachwuchsgewinnung, Tradition und innerer Verfasstheit werden uns in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.
Als neuer Präsident des Dachverbands der GdH möchte ich, gemeinsam mit dem Präsidium, dem Beirat und den örtlichen Gemeinschaften, Brücken bauen - zwischen aktiver Truppe und Veteranen, zwischen Traditionspflege und Zukunftsgestaltung. Wir werden Formate weiterentwickeln, die den Austausch fördern und neue Wege suchen, um jüngere Kameradinnen und Kameraden gezielt anzusprechen, sie zu integrieren und ihnen auch zuzuhören. Denn die Gemeinschaft der Heeresflieger wird nur dann lebendig bleiben, wenn sie mehr ist als ein nostalgischer Blick in den Rückspiegel – sie muss ein Ort sein, an dem die Zukunft der Truppe mitgedacht wird.
Zum Schluss bleibt mir ein persönlicher Wunsch: Möge die Gemeinschaft der Heeresflieger auch in den kommenden Jahren das bleiben, was sie heute ist – ein verlässlicher Ort der Kameradschaft, ein ehrlicher Spiegel der Truppe und eine Stimme, die gehört wird, wenn es um die Zukunft der Heeresflieger geht.
Ich freue mich auf die Begegnungen mit Ihnen allen – in den Verbänden, bei unseren Veranstaltungen und im persönlichen Gespräch.
Mit kameradschaftlichen Grüßen
Dr. Volker Bauersachs
General der Heeresfliegertruppe und
Präsident des Dachverbandes der Gemeinschaft der Heeresflieger





